| "Künstliches
oder besser technisches Beschneien":
Möglichkeiten und Grenzen
1. Einführung
Die in den USA seit vier Jahrzehnten
verbreitete Schnee-Erzeugung hat ab 1978 auch in Europa weite
Anwendung gefunden. Viele Skigebiete im Alpenraum und in
Skandinavien setzen die Beschneiung zur Pistenverbesserung ein.
Schnee auf den Pisten ist die
Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Wintertourismus.
Im letzten Jahrzehnt gab es mehrer Winter, wo das Warten auf den
Schnee besonders bitter war. Aber auch nach guten Schneefällen
bleibt der Schneemangel durch starke Benutzerfrequenz, Wind, Sonne
und Warmwettereinbruch das Sorgenkind Nummer 1. Hier hilft oft nur
die technische Beschneiung mit einer Schneeanlage.
Über’s Schneemachen wird viel
geschrieben. Fast täglich steht in einer Zeitung ein Artikel über
die Beschneiung, häufig mit wenig Informationen, aber viel Polemik.
Die Kampagnen einiger Medien gegen Schneeanlagen haben in den
letzten Wintern leider immer wieder Höhepunkte erreicht: Die
Wiedergabe allein der Schlagzeilen und vieler "Statements"
selbsternannter Experten zu diesem Thema wäre abendfüllend. Wenn
die Auswirkung auf die öffentliche Meinung nicht so traurig wäre,
könnte man viele Medieninformationen zur Beschneiung fast
kabarettreif bezeichnen, als Gruselkabinett "Tatort
Alpen".
Deshalb ist es äußerst wichtig, das
Thema Beschneiung in seiner Bedeutung für die Region zu
diskutieren. Die Schneeanlage bei der Fellhornbahn ist nicht die
erste und nicht die größte in Deutschland. Die Großanlagen
Kandahar in Garmisch-Partenkirchen, Arber im Bayerischen Wald und in
Ofterschwang sind in ähnlicher Größe. Außerdem wird / wurde noch
eine relativ große Anlage in der Gegend von Berchtesgaden von der
US-Armee und, verteilt in Deutschland, ca. 50 weitere kleinere
Anlagen betrieben.
2. Zielsetzung der Beschneiung
· Die allgemeine Zielsetzung der
Beschneiung ist:
· Sicherung des Saisonbeginns auf
einem vernünftigen Angebot von Pisten in möglichst vielen
Skigebieten und Sicherung des Skilaufs in der Wintersaison
(Weihnachten bis Ostern);
· Sicherung der Befahrbarkeit
talnaher Pisten während der Saison;
· Vermeidung einzelner
Schwachstellen, Kuppen, Kanten, Sonnenhänge und Einstiegsstellen
bei sonst gut bedeckten Pisten;
· Schutz der Skifahrer vor Stürzen
infolge aperer Bereiche;
· Sicherung internationaler
Skiveranstaltungen (z. B. Garmisch, Ofterschwang);
· Sicherung von Trainingsmöglichkeiten
für den Leistungssport;
· Sicherung des Angebots für Kinder
und Anfänger sowie Familien in Talnähe (z. B. Fischen);
· Schutz der Grasnarbe gegen Beschädigung
durch den Ski- und Präparierbetrieb.
Der erzeugte Schnee soll jene
Grundschicht bilden, auf der darauffallender, natürlicher Schnee
durch Isolation gegen die Bodenwärme besser liegen bleibt. Ziel ist
eine griffige, weitgehend trockene und auch unter späterer
Belastung nicht auseisende Schneedecke, die gemeinsam mit dem natürlichen
Schnee bis zum Saisonschluss den starken Beanspruchungen heutigen
Pistenbetriebes standhält.
Wir wollen nicht zusätzliche Pisten
mit Beschneiung, sondern die bessere Auslastung vorhandener Pisten
durch Beschneiung. Der Neu- und Erschließungsdruck mindert sich
dadurch wesentlich.
3. Verbreitung der Schneeanlagen
Weltweit gibt es über 1.500
Schneeanlagen. Die erste europäische Großschneeanlage wurde vor 12
Jahren in der Schweiz in Savognin gebaut. Dies war der Startschuss
zu einer Entwicklung mit bis heute etwa 500 Anlagen in Europa. Die
stärkste Verbreitung haben Schneeanlagen in den Dolomiten, im
Aostatal in den französischen Alpen und mittlerweile auch in Österreich
gefunden.
4. Wie funktioniert nun die technische
Schnee-Erzeugung?
Ganz einfach - völlig gleich wie der
natürliche Schneefall, nur im Zeitraffertempo. Der natürliche
Schnee entsteht, indem feuchte, warme Luftmassen auf eine kalte
Luftschicht aufgleiten und abgekühlt werden. Das heißt, die abgekühlte
Luft kann die vormals in ihr enthaltene Feuchtigkeit nicht halten,
diese fällt aus. Die Auskristallisierung des Wassers beginnt bei
extrem tiefen Temperaturen bzw. schon früher, wenn z. B. unterkühlte
Staubpartikel die Kristallisation auslösen. Diese Kristalle fallen
dann durch mehrere Luftschichten unterschiedlicher Feuchte und
Temperaturen, so dass die hinlänglich bekannten, schönen
Kristallformen entstehen können.
Dieser soeben beschriebene Vorgang
wird auch bei der maschinellen Schnee-Erzeugung nachvollzogen,
einzige Unterschiede sind folgende:
- Das für die Schnee-Erzeugung zur
Verfügung stehende Wasser weist in der Regel eine Temperatur über
0° C auf. Es kann auch auf dem Weg von der Wasserfassung zum
Schnee-Erzeuger nicht unter 0° C abgekühlt werden, da das
Einfrierproblem nicht in den Griff zu bekommen wäre.
- Der für die Umwandlung des
Wassers zu Schnee, anstatt Eis, verantwortliche Kristallkeim
muss erst hergestellt werden. Genutzt wird die bei der Expansion
von Druckluft entstehende Kälte, die das in der Druckluft
enthaltene Wasser gefrieren lässt.
- Es steht uns nur eine
kalte Luftschicht, eben die bodennahe, zur Verfügung. Der
Gedanke, die Gebläseluft eines Propellergerätes abzukühlen,
ist zwar verlockend, jedoch sehr unwirtschaftlich. Der Gebläseluft
kommt jedoch nur eine Teilfunktion im Schneiprozess zu. Sie muss
das Wasser so lange durch die kalte Umgebungsluft
transportieren, bis es auskristallisiert ist. Reines Wasser wird
also in Düsen von Schnee-Erzeugern zu feinsten Stäubchen zerstäubt
und ausgeschleudert. Damit die Tröpfchen auf der kurzen
Flugzeit zwischen Düsenmündung und Auftreffen am Boden zu
einem Schneekristall ausfrieren, müssen sie stark unterkühlt
werden, ein rein physikalischer Vorgang von Verdampfung und Wärmeaustausch
mit nachfolgender Kristallisation.
Es werden keine chemischen oder
biotechnischen Substanzen, Schneezement oder Kältemaschinen
verwendet.
Der gängige Ausdruck
"Kunstschnee" ist schlecht gewählt, da er leicht die
Assoziation zu Chemikalien mit Umweltbelastung auslöst. Das
Schneien funktioniert umso besser, je tiefer die Lufttemperatur und
je niedriger die Luftfeuchtigkeit ist. Im kritischen
Temperaturbereich über -5° C lässt sich durch den einzelnen
Schnee-Erzeuger nur mehr wenig Wasser durchsetzen, über -3° C wird
das Schneien unwirtschaftlich.
Der erzeugte Schnee soll möglichst
trocken und leicht sein, um den ökologisch günstigen Aufbau hoher
Luftdurchlässigkeit, niedriger Wärmeleitfähigkeit und geringer
Vereisungsneigung zu erreichen. Diese Eigenschaften kommen auch dem
Präparier- und Skibetrieb entgegen.
Technischer Schnee verträgt sich gut
mit natürlichem Schnee. Der Präparier-aufwand wird bei Beschneiung
eher geringer als bei natürlichem Schnee. Das häufige Einbringen
von Schnee aus den Randzonen entfällt.
5. Systeme von Schnee-Erzeugern
Es gibt zwei Systeme von
Schnee-Erzeugern: Hochdruckanlagen mit Druckluftschnee-Erzeugern und
Niederdruckanlagen mit Propellerkanonen. Beide Systeme haben Vor-
und Nachteile und ihre Berechtigung.
Beim Hochdrucksystem
wird das Wasser in einfachen Mischkammern mittels Druckluft zerstäubt
und ausgeschleudert. Die Druckluft wird in einer zentralen
Kompressorstation erzeugt und über Rohrleitungen zur Piste
transportiert. Die Druckluft muss gekühlt, getrocknet und ölfrei
sein.
Der Niederdruck- oder
Propellerschnee-Erzeuger besteht aus einem kurzen Rohr großen
Durchmessers, in dem ein Gebläse angeordnet ist. Atmosphärische
Luft wird durchgeblasen, Düsen an der Mündung spritzen möglichst
kleine Wassertropfen in den Luftstrom ein. Die Wassertropfen
gefrieren dort zu Schneekristallen. Für die Kristallkeimbildung
werden Eiskristalle aus einem kleinen Druckluftkompressor aus der
Entspannung feuchter Druckluft in den Luft- oder Wasserstrom
eingeimpft.
Die Vorteile des Hochdrucksystems
liegen in der besseren Automatisierbarkeit im Betrieb, wodurch
der Personalbedarf etwas verringert und auch kurze lokale Kälteperioden
innerhalb einer Schneinacht besser genutzt werden können. Außerdem
bietet die Anlage Vorteile in der Erstbeschneiung aperer Skipisten
durch Verringerung der Manövrierarbeit. Diese Vorteile sind jedoch
nur dann voll zu nutzen, wenn eine große Anzahl von Schneekanonen
in dichten Abständen über die gesamte Schneiperiode fix auf der
Piste installiert bleiben kann.
Die Vorteile des Niederdrucksystems
liegen in einer wesentlich geringeren Schallemission als bei
Hochdrucksystemen und dadurch in einer leichteren Genehmigungsfähigkeit.
Der um ca. 12 bis 15 dB(A) niedrigere Summenschallpegel bei
niedrigeren Frequenzen wird subjektiv weniger als halb so laut
empfunden. Das Niederdrucksystem hat außerdem einen um die Hälfte
geringeren Leistungs- und Energiebedarf. Bei kleinen und mittleren
Anlagen liegen die Investitions- und Betriebskosten wesentlich
niedriger als bei Hochdruckanlagen.
Das HKD-System ist in den letzten
Jahren zusätzlich in Europa eingeführt worden. Es ist im Prinzip
ein Hochdrucksystem mit Schneilanzen. Die besonderen Vorteile liegen
in der Wirtschaftlichkeit und der geräuscharmen Funktion.
6. Was gehört nun alles zu einer
Schneeanlage?
Sichtbar sind nur die eigentlichen
Schnee-Erzeuger, die mobil auf der Piste stehen. Sie bilden jedoch
nur einen kleinen Teil der Gesamtanlage mit ca. 10 % der
Investitionskosten. Der überwiegende Teil liegt, wie vorher
beschrieben, in der unterirdischen Infrastruktur für die Wasser-,
Druckluft- und Stromversorgung. So entsteht eine Schneeanlage mit
Wasserbauwerken, Stationsgebäuden, Pumpen, Kompressoren,
Rohrleitungen, Zapfstellen, Erdkabel, Energieversorgungsanlagen und
Steuerungen. Zur möglichst schonenden Verteilung des auf die apere
Piste aufgebrachten Erstschnees wird eine Pistenmaschine mit
sogenannten Sommerketten (Gummistegen) ausgerüstet. Den
Arbeitsplatz des Schneemachers könnte man mit "kalt, nass und
meistens dunkel" am besten beschreiben. Schneemacherei ist härteste
Arbeit!
7. Grenzen der Erschließung
Die Grenzen in der weiteren Erschließung
von Schneeanlagen liegen in der Verfügbarkeit von Wasser, in
klimatischen Voraussetzungen und in den Kosten. Die Anlage rechnet
sich nur bei wichtigen Pisten und hoher vorhandener Beförderungskapazität.
Auch bei zügigem Ausbau weiterer Bedarfsfälle wird der Anteil an
beschneiten Pisten nur bei wenigen Prozentpunkten der gesamten Skifläche
liegen. Die Vision von gigantischen Prestigeprojekten und
"jedem Schlepplift eine Schneeanlage" ist aus Kostengründen
völlig unrealistisch. Grob muss man mit Erstellungskosten für 100
m beschneiter Piste von DM 120.000,- bis 150.000,- rechnen. Für 1 m3
erzeugten Schnee müssen DM 6,- bis 8,- angesetzt werden (inkl.
Investitionen).Davon sind ca. DM 0,45 Energiekosten und ca. DM 1,5
Personalkosten pro m3.
Ökonomisch und ökologisch völlig
unsinnig wäre, Skisportanlagen in Gebieten zu erschließen, die von
Natur aus dafür ungeeignet sind und nur durch Beschneiung geeignet
würden.
Eine wichtige natürliche Grenze
liegt in den klimatischen Bedingungen. Die Höhenlage, die
Nordorientierung, die Schattenlage und schließlich die Durchlüftung
des Gebietes gegen Dunst- und Nebelbildung sind maßgebliche
Kriterien für die klimatische Eignung der Skipiste zum Beschneien
und damit auch für die Wirtschaftlichkeit. In kritischen Fällen
sind mehrjährige, meteorologische Messungen zu empfehlen. Im
Gegensatz zum klassischen Land der Schnee-Erzeugung, der USA, haben
wir in Mitteleuropa mit höherer Luftfeuchtigkeit zu arbeiten. Wie
rapid sich die Abkühlung durch Verdunstung in Abhängigkeit von der
relativen Luftfeuchtigkeit ändert, zeigt z. B. nachstehender
Vergleich:
Bei einer Lufttemperatur von -5° C
sind bei einer relativen Luftfeuchte von 90 % in einem cbm Luft 2,6
g Wassergehalt. Bei der gleichen Lufttemperatur und einer relativen
Luftfeuchtigkeit von nur 50 % sind in einem cbm Luft nur mehr 0,78 g
Wasser pro cbm Luft enthalten. Das heißt, die Verdunstungsmöglichkeit
bei 50 % relativer Luftfeuchtigkeit ist gegenüber 90 % relativer
Luftfeuchtigkeit mindestens vier mal größer. Dieser untrennbare
Zusammenhang von Luft, Temperatur und Luftfeuchtigkeit machen es
schwierig, eine klare Aussage treffen zu können, ab wie viel Grad
optimal beschneit werden kann. Diese Grenze ist fließend und sehr
stark von den verwendeten Geräten und von dem vor Ort herrschenden
Klima abhängig.
8. Wirtschaftlichkeit
a) Die Mehrkosten aus dem Betrieb
einer Schneeanlage sind wohl selten im Preis der Tageskarte oder des
Skipasses unterzubringen. Die Investition kann sich für den
Betreiber nur durch Mehreinnahmen aus einer besseren Auslastung über
den Winter (als ohne Beschneiung) rechnen. Da die Tagesfrequenzen
kaum steigerbar sind, ist die Kostendeckung nur aus der Vermeidung
längerer Ausfälle und daraus resultierender Umsatzeinbrüche
bei Schneemangel zu erreichen.
b) Die klassische Frage bei einer
Investition ist normalerweise: Kann ich mir leisten, das zu haben?
Bei der Schneeanlage stellt sich oft
die Frage anders, nämlich: Kann ich mir leisten, das nicht
zu haben?
Mit Blick auf den regionalen und auf
den internationalen Wettbewerb wird man diese Frage heute oft anders
beurteilen. Nicht nur der Wettbewerb der Skiorte untereinander,
sondern auch die zunehmende Konkurrenz im Fernreisetourismus und der
Trend zu alternativen Freizeit- und Urlaubsbeschäftigungen aufgrund
des natürlichen Schneemangels beantworten diese Frage schnell.
c) Die Schneeanlage ist eine
Zusatzinvestition zu bereits getätigten, meist wesentlich größeren
Investitionen. Die rein betriebswirtschaftliche Frage ist, ob durch
diese Zusatzinvestition die Rendite der Gesamtinvestition mit den
erhöhten Betriebskosten abdeckbar ist. In unserem Fall hat die
Schneeanlage diese Aufgabe erfüllt.
d) Eine Gretchenfrage ist, wie viele
Gäste einen Skiort wegen Schneemangel schon verlassen hätten oder
gar nicht erst gekommen wären. Langfristig von noch größerer
Bedeutung ist aber, wie viele Gäste, die sich bei Schneemangel mit
einem sogenannten Alternativprogramm eine Woche lang beschäftigen
ließen, im nächsten Jahr überhaupt wieder kommen. Auf Stammgäste
kann jedoch kein Wintersportort verzichten.
e) Den eigentlichen wirtschaftlichen
Vorteil hat nicht der Betreiber, sondern die gesamte
Fremdenverkehrswirtschaft in Ort und Umgebung. Der Nutznießer ist
daher mit dem Bezahler der Schneeanlage nicht voll deckungsgleich.
Langfristig werden daher Modelle zu finden sein, bei denen eine
Mitfinanzierung durch die übrige Fremdenverkehrswirtschaft erfolgt.
Der Effekt der Umwegrentabilität legitimiert in manchen Fällen
wohl auch den Anspruch eines Seilbahnunternehmers an die öffentliche
Hand oder an die Fremdenverkehrswirtschaft zur Förderung der
Schneeanlage.
f) Die wirtschaftlichen Auswirkungen
gut befahrbarer Pisten auf die gesamte Fremdenverkehrswirtschaft,
auf die Arbeitsplätze im Bergland, auf das direkte Steueraufkommen,
auf die Zulieferfirmen der Seilbahnindustrie und schließlich auch
auf die gesamte Sportartikelindustrie sind wohl unbestritten. Nicht
vergessen werden sollte auch der soziale Aspekt für den einzelnen
Gast, der so einen Urlaub genießen, seinen Sport ausüben,
Gesundheit tanken, Kontakte knüpfen und Natur und Berge erleben
kann.
9. Gesetzliche Vorschriften und Auflagen
In allen europäischen Ländern sind
zur Errichtung und zum Betrieb von Schneeanlagen umfangreiche
Genehmigungsverfahren notwendig. Darin werden Wasserhaushalt, Natur-
und Landschaftsschutz und Schallemission behandelt und oft strenge
Auflagen erteilt. Am Fellhorn wurde neben der wasserrechtlichen
Genehmigung die pro Jahr zur Verfügung stehende Wassermenge klar
eingegrenzt und ein landschaftspflegerischer Begleitplan mit einer jährlichen
ökologischen Beweissicherung als Auflage erteilt. Dabei will man
herausfinden, wie weit die Beschneiung auf die Vegetation positive
und negative Einflüsse hat. Nach zwölf Schneesaisonen am Fellhorn
sind bis zum heutigen Tage keine negativen Auswirkungen auf
Vegetation, Erosion, Wasserhaushalt und Ernteertrag sichtbar.
Die Landwirte bestätigen sogar
positive Auswirkungen.
In keinem unserer Nachbarländer und
in keinem der anderen deutschen Bundesländer ist allerdings eine
Genehmigung so schwer zu erlangen wie bei uns in Bayern.
10. Stichwort "Ökologie von
Schneeanlagen"
Die ökologische Frage ist heute zum
zentralen Thema in der Genehmigungs-fähigkeit einer Schneeanlage
geworden. Aus vielen Gesprächen mit Betreibern, Wissenschaftlern
und aus den Facts von unserer Fellhorn-Anlage bin ich überzeugt,
dass die massiven Angriffe der Gegner von Schneeanlagen unbegründet
sind.
Sie stammen entweder aus
Fehlinformationen oder sind gezielte Aktionen gegen die
wirtschaftlich Nutzung unserer Berge für Wintersport und Tourismus.
In den ersten drei Jahrzehnten der
Beschneiung wurden ihre ökologischen Auswirkungen durchwegs positiv
beurteilt, aus den USA und Skandinavien kennen wir keine Bedenken.
Die Diskussion über Umweltverträglichkeit von Schneeanlagen
eskalierte erst 1986 durch die CIPRA, die in einer Resolution die
technische Beschneiung massiv ablehnte. Die CIPRA begründete dies
mit grundsätzlichen Überlegungen gegen einen "neuen additiven
Beitrag in der Spirale der Tourismusentwicklung". Anders
formuliert, die CIPRA lehnt es ab, die Schnee-Erzeugung dazu zu
nutzen, dass eine wirtschaftliche Absicherung des Fremdenverkehrs im
Gebirge ermöglicht wird, das heißt, es geht ihr um die Entziehung
der Möglichkeit der Risikominderung im Fremdenverkehr. Dahinter ist
die Hoffnung verborgen, dass bei anhaltend verspätetem
Naturschneefall die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wachsen und zu
einer Reduktion des Tourismus führen.
Taktik nannte die CIPRA dieses
Vorgehen. Ich überlasse es Ihnen, das dazu passende
Eigenschaftswort oder eine andere treffende Bezeichnung zu finden.
Bis heute haben die Gegner von
Schneeanlagen keine qualifizierten Argumente gegen die Beschneiung
vorgelegt, sondern ziehen sich auf prinzipielle, fast schon
ideologische Erklärungen zurück.
Zur Ökologie folgende sachliche
Zusammenhänge:
· Der Energieverbrauch
ist heute bei Wahl des richtigen Systems gut beherrschbar. Unsere
Niederdruckanlage für etwa 22 ha und 1100 Höhenmeter benötigt
eine elektrische Leistung von knapp 900 kW, das ist die Leistung von
10 Mittelklasse-PKW. Diese elektrischen Leistungen stehen jedoch
fast immer als Alternativnutzung vorhandener Anschlusswerte von
Seilbahnanlagen zur Verfügung. Die energetisch maßgebliche Größe
des Verbrauchs an Wirkarbeit ist aufgrund der kurzen Schneizeiten
von 300 bis 400 Stunden überraschend niedrig, die vorhin erwähnte
Beispielsanlage wird etwa 200.000 bis 220.000 kW/h pro Jahr benötigen.
Dies entspricht dem Jahresenergieverbrauch von ca. 6 Einfamilienhäusern
oder einer mittleren Pension in einem Wintersportort.
· Die Schallfrage ist
heute mit geeigneten Schnee-Erzeugern und sorgfältiger
Betriebsweise gut im Griff. So werden bei leisen
Niederdruck-Schnee-Erzeugern schon Immissionsschallpegel von 60 dB(A)
in 20 m seitlichem Abstand erreicht. Dies entspricht dem
Innenschallpegel eines PKW mit 80 km/h auf der Autobahn oder dem Geräusch
in einem gut besuchten Kaufhaus. Unsere Schnee-Erzeuger liegen ungefähr
bei diesen Werten. Sie können sich neben einer solchen
Schneemaschine fast im normalen Gesprächston unterhalten. In 80 m
seitlicher Entfernung ist der Immissionsschallpegel schon auf 50
dB(A) abgesunken. Der schalltechnisch sensible Bereich einer
Schneeanlage in Talnähe ist nur ein kleiner Teil der Gesamtfläche.
Dort kann eine zeitliche Einschränkung auf Stunden außerhalb der
Nachtruhe gut akzeptiert werden.
· Der Wasserentzug aus
einem Gewässer wird dem Behördenverfahren entsprechend begrenzt.
Es ist kein Fall bekannt, wo durch eine Schneeanlage ein Gebirgsbach
ausgetrocknet oder sonstige Nachteile - etwa in seiner
Vorfluterfunktion - bemerkt wurden. Bei der Fellhorn-Anlage ist eine
bestimmte ständige Überlaufwassermenge festgelegt. Der Betreiber
hat dafür zu sorgen, dass diese Mindestwassermenge durch das
Bachbett geleitet wird. Durch die gemeinsame Lösung mit dem
Wasserkraftwerk kann dieses ca. 2.200.000 kWh mehr Strom erzeugen.
· Chemische oder biotechnische Zusätze,
wie etwa das in den USA fallweise verwendete Mittel "SNOMAX"
sind in Bayern grundsätzlich verboten und werden nicht eingesetzt. Verschneit
werden nur Gebirgswasser und Gebirgsluft. Trotzdem zog sich
"SNOMAX unter der Schlagzeile "Bakterienschnee vergiftet
Trinkwasser" bereits durch die Medien.
· Sollte für eine Schneeanlage nur
bakteriell belastetes Wasser zur Verfügung stehen bzw. befinden
sich Quellhorizonte von Trinkwasserversorgungen unter der Schneifläche,
dann werden heute Entkeimungsanlagen vorgeschrieben
und eingebaut, das heißt, technischer Schnee ist mit absoluter
Sicherheit gesundheitlich komplett unbedenklich.
· Der Hauptangriffspunkt der Gegner
ist in den letzten Jahren die Auswirkung auf die Vegetation
geworden. Dazu: Eine Skipiste ist keine unberührte Märchenwiese
mit rein landwirtschaftlicher Nutzung, sondern ein bereits verändertes
Ökosystem. Viele Pisten wurden früher bereits planiert,
sind begrünt, früher mit Kunstdünger - heute mit biologischem Dünger
- gedüngt, mit Pistengeräten gewalzt und mechanisch und
landwirtschaftlich beansprucht. Die zentrale Frage ist also, ob die
Situation auf der Skipiste durch die Beschneiung besser oder
schlechter wird. Von Bedeutung sind wohl primär Bedeckungsgrad und
Durchwurzelung der Grasdecke für ihr Verhalten bei Abschmelzvorgängen
und starken Niederschlägen gegen Oberflächenerosionen und die Beständigkeit
gegen Vernässung und Rutschungen sowie die Wasserspeicherfähigkeit
des Mutterbodens. Diese Größen beeinflussen die Abflussfaktoren
der Skipiste. Interessant dazu ist, dass Versuche in den letzten
Jahren am Fellhorn gezeigt haben, dass die Beschneiung die
Wasserspeicherfähigkeit des Bodens stellenweise sogar erhöht. Für
den landwirtschaftlichen Ertrag zeigte die Beschneiung vor allem in
niederschlagsarmen Vorsommern Vorteile.
· Ein wesentlicher ökologischer
Vorteil der technischen Schneedecke ist der bessere Schutz
der Grasnarbe gegen mechanische Beschädigung aus den Raupenstegen
der Pistengeräte, den Skikanten und Stockeinsätzen der Skifahrer.
· Ein weiterer ökologischer
Vorteil der technischen Schneedecke ist die bessere
Isolationsschicht gegen atmosphärischen Frost mit verringerter
Eisbildung, zur Folge größerer Schneemächtigkeit und früherer
sowie durchgehender Bedeckung. Auch dieser Vorteil hat sich extrem
im schneearmen Winter 1989/90 gezeigt. Auch wenn der Schnee im
frisch erzeugten Zustand eine höhere Dichte und damit bessere Wärmeleitfähigkeit
hat als der natürliche Schnee, so ist nach Alterung beider
Schneearten und durch die größere Schichtdicke doch eine bessere
Isolation zu erreichen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen,
sind gerade Erosionen aus Bodenfrosteinwirkung durch eine
durchgehende Schneebedeckung zu vermindern. Die extreme
Durchfrostung des Bodens in einigen vergangenen Wintern aufgrund der
fehlenden natürlichen Schneedecke sei hier erwähnt.
· Ein ökologischer Nachteil
ist die höhere Wasserbelastung durch die Beschneiung mit einem zusätzlichen
Niederschlag von 90 bis 150 mm Wasser pro Winter.
Dieser Niederschlag ist aber weniger als die Belastung von nur zwei
bis drei Starkregentagen im Sommer; er liegt meist weit unter der
natürlichen Bandbreite des winterlichen Niederschlags innerhalb
eines größeren eitraums. Schäden aus verändertem
Abflussverhalten durch Beschneiung sind bisher nicht bekannt
geworden, in einigen Fällen sind bisher eher Verbesserungen zu
beobachten.
Hier ist eine wichtige Klarstellung nötig: Durch die mit der
Beschneiung aufgebrachte zusätzliche Wassermenge wird die für
Oberflächenerosionen verantwortliche Abflussleistung
in der Schmelzperiode als Abflussmenge pro Zeiteinheit nicht größer,
da diese Abschmelzleistung nur von der Wärmezufuhr, nicht aber von
der Schneemenge abhängt. Der Abschmelzvorgang geht nicht schneller
vor sich, er dauert nur länger. Die Abschmelzmenge an einem sehr
warmen, schönen Frühjahrstag liegt zwischen 8 und 13 Liter pro qm
und Tag. Der Anteil des technisch produzierten Schnees auf der
beschneiten Fläche am Fellhorn ist, bezogen auf das Einzugsgebiet,
wesentlich unter 1 %.
· Ein weiterer ökologischer
Nachteil ist die verspätete Ausaperung mit Verkürzung der
ersten Vegetationsperiode. Dies ist einerseits auch auf Skipisten
ohne Beschneiung zu beobachten, andererseits bestätigen die
landwirtschaftlichen Erträge, dass diese wohl etwas spätere
Ausaperung und die verkürzte erste Vegetationsperiode nicht zu
einer Minderung, sondern in extremen Wintern, wie bereits genannt
der Winter 1989/90, zu einer Erhöhung der Erträge führt. Man
denke hier auch an die in der Natur vorkommenden Ausaperstellen auf
den Almwiesen z.B. unter Lawinenkegeln.
· Strittig ist die Frage, ob der
technische Schnee eine geringerer Luftdurchlässigkeit hat und daher
die Vegetation mit Verstickung gefährdet. Nach unserer Beobachtung
ist die Luftdurchlässigkeit einer gemischt technisch/natürlichen
Schneedecke immer noch größer als bei einer dünnen, stark
vereisten und stark verdichteten natürlichen
Schneedecke.
Die Vor- und Nachteile sind nun
gegeneinander im einzelnen Projektfall abzuwägen. Auf gut
begrünten Pisten überwiegen aus unserer Erfahrung die Vorteile.
Der Beweis dafür kann nicht nur am Fellhorn, sondern auch gerne an
vielen anderen Orten angetreten werden.
12. Schluss
Natürlich haben die Meldungen der
CIPRA und einiger Medien Politiker, Behörden und öffentliche
Meinung verunsichert. Die technische Schnee- Erzeugung ist
zweifellos ein Eingriff in die Natur. Eingriffe in die Natur sind
immer problematisch, jedoch nicht zwangsläufig schädlich. Die
bisherigen Erfahrungen zeigen keine Nachteile, wenn auf eine
sachgerechte und maßvolle Planung, ordentliche, umfassende Behördenverfahren,
sorgfältigen Bau und (ganz wichtig) richtige Betriebsweise
geachtet wird.
Die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Winterfremdenverkehrs und der
Nutzen durch eine Beschneiung rechtfertigen eine sachliche
Behandlung dieses Themenkreises in einer partnerschaftlichen
Diskussion.
Die Seilbahnwirtschaft weiß, dass eine intakte Umwelt ihr
langfristiges Kapital ist; sie wird sich dieser Diskussion mit gutem
Gewissen stellen.
Autor:
Augustin Kröll
Fellhornbahn GmbH
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